Besuch im Dorfmuseum Weikersheim

Veröffentlicht am 18.02.2021 in Aktuelles

Einen ganz besonderen Menschen konnte Anton Mattmüller, SPD-Landtagswahlkandidat des Main-Tauber-Kreises, am Mittwoch den 17.02.2021, in Weikersheim treffen. 

Sein Gesprächspartner und Führer durch das Tauberländer Dorfmuseum war der Bundesverdienstkreuzträger Günter Breitenbacher. 

Er selbst beschrieb sich bereits 2014 nach seinem Ausscheiden aus den Gemeinderats- und Kreistagsämtern als politischen Methusalem. Doch Anton Mattmüller und seine Begleitung, die Zweitkandidierende der Landtagswahl und Erstkandidierende der Bundestagswahl für den Wahlkreis Odenwald-Tauber, Anja Lotz, durften feststellen, dass Günter Breitenbacher sehr wohl in der politischen Diskussion als auch bei seinen begeisternden Ausführungen zum dörflichen Leben und Arbeiten im 18. und 19. Jahrhundert die Brücke zur modernen Zeit schlagen konnte. 

Wie wichtig ihmdie Auseinandersetzung mit der eigenen historischen Geschichte ist, beschrieb Anton Mattmüller während des Gangs durch das Taubertäler Dorfmuseum mit den folgenden Worten: 

„Alles driftet auseinander, nicht nur in Corona-Zeiten. Alt stellt sich gegen Jung und umgekehrt, gerade, wenn es um Klimafragen geht. Doch haben wir hier im Museum eine bedeutende Kultur- und Zivilisationsgeschichte vor Augen, die uns bewusst macht, wie eng die Menschen in den vergangenen Jahrhunderten miteinander verbunden waren. Knecht, Magd, Großeltern, Eltern und Kinder saßen am Tisch der Bauern. Sie wärmten sich am gleichen Ofen und aßen das gleiche Essen. Alles ging nur im Miteinander, die Arbeit war zu hart, als dass man sich Alleingänge erlauben konnte. Heute sei es nicht anders als damals, nur zusammen könne man aus der Pandemie kommen und das Klima schützen.“ 

Günter Breitenbacher bedauerte in diesem Zusammenhang, dass die Schulen das Angebot zu Führungen im Museum so gut wie nicht in Anspruch nehmen würden. Es würde nur aus Büchern gelehrt, obwohl die greifbare Geschichte direkt vor der Haustür zu finden sei. Geschichte sei für uns so wichtig, da wir mit ihr unsere heutige Welt und ihre Entstehung begreifen würden. 

Auch mache er sich sehr große Sorgen um die Zukunft des ehrenamtlich geführten Dorfmuseums, das in dem um 1580 von den Hohenloher Herrschaften erbauten Kornbau untergebracht ist und im Schatten des Weikersheimer Schlosses steht. Die Vereinsmitglieder kämen zum Teil in die Jahre; der interessierte Nachwuchs und das Geld für ein Marketingprogramm fehlten.

Die Stadt tue ihr Bestes zur Unterstützung des von Kurt Meider gegründeten Dorfmuseums, das seit 1972 vom Verein Tauberfränkische Volkskultur betreut wird. Für das heute im Privatbesitz des Weinguts Schumm stehende Gebäude gebe es mit der Stadt Weikersheim einen Mietvertrag. Sie habe den Kornbau dem Verein unentgeltlich für das Dorfmuseum überlassen. Zudem erhalte man von der Stadt Zuschüsse für dessen Betrieb.

Günter Breitenbacher wünscht sich für das Tauberländer Dorfmuseum einen Großsponsoren, der einen Faible für die dörfliche Kulturgeschichte mitbrächte. Es gebe in Stuttgart eine Betreuungsstelle für nichtstaatliche Museen in Baden-Württemberg, die für Restaurationsmaßnahmen an Exponaten und die Entwicklung von Museumskonzepten Zuschüsse zahle. Der Verein habe aber das Problem, dass ihm für die Umsetzung einer neuen Museumskonzeption die notwendige Finanzausstattung fehle.

Das Museum verdeutlicht auf vier Stockwerken eindrucksvoll das harte Leben und Arbeiten in früheren Zeiten. Redewendungen, wie „unter der Haube sein“, „die Spreu vom Weizen trennen“ oder was es mit dem Spruch „den Fusel kannst du selber trinken“ auf sich hat, werden dem Besucher mit einem Aha-Effekt schlagartig klar.   

Wer weiß heutzutage noch etwas über die damalige Kleiderordnung und Farbvorgabe für katholische und protestantische Kirchgänger, wie man die Frauen in tiefer Trauer und der Übergangstrauer unterscheiden konnte.  Wofür steht das große „M“ auf der reich verzierten Sonntagstracht? Warum gab es über dem Bett der Eheleute eine Überdachung? Nun ja, die Erklärung ist nichts für zartbesaitete Gemüter. Und wieso schlief man im Sitzen? Überraschende Antworten wurden Anton Mattmüller und Anja Lotz von Günter Breitenbacher präsentiert. 

Er machte auch klar, dass das Museum schon allein mit der wertvollen Sammlung an Truhen und Schränken der Schreinerwerkstatt Johann Michael Rößler ein Alleinstellungsmerkmal habe. Der berühmte Möbelschreiner lebte und arbeitete bis zu seinem Tode im Jahr 1849 in Untermünkheim. 

Wie die Ausstellung selbst, ist auch die Geschichte des Kornspeichers interessant. Diente er anfänglich der Herrschaft als Getreidelager, war er im 19.Jahrhundert ein bedeutender Getreideumschlagsplatz. 1875 wurde der Kornbau von der Langenburgischen Herrschaft an den Weikersheimer Juden Maier Rosenfeld verkauft. 

Eine Heizung besitzt das historische Gebäude nicht. So kam dem SPD-Landtagskandidaten, Anton Mattmüller, beim Heraustreten auf die Außentreppe die Februarluft erstaunlich warm vor. Die alten Mauern geben die Kälte nicht so schnell frei. Ein herrlich erfrischender Besuch für heiße Sommertage, konnte Günter Breitenbacher hinzusetzen. 

Begeistert bedankten sich Anton Mattmüller und Anja Lotz bei Günter Breitenbacher für die lebendig gewordene Zeitreise. Einig war man sich, dass die Geschichte der hohenlohischen. Dorfbevölkerung ein schützenswertes Kulturgut ist, das nicht vergessen werden darf, um die Gegenwart und Zukunft zu verstehen. 

 
 

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